Winter 2023-2024

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Route:  Namibia – Angola – Namibia – Botswana – Südafrika – Namibia
Gefahrene Kilometer in knapp 6 Monaten: 17.000 km
Vorbereitung und Einreise nach Angola

Wir verabreden uns mit Jutta & Gerd, die mit ihrem riesigen Kat- LKW versuchen wollen, mit uns durch den „Iona N.P.“ im südlichen Angola zu fahren. Keiner kann uns über die Befahrbarkeit der Pisten konkrete Infos geben. Also los geht‘s. Mit unserem Satellitentelefon und gutem Kartenmaterial sind wir perfekt vorbereitet. Beide Fahrzeuge sind technisch top in Schuss! Unser Toyo bekommt sogar noch einen neuen Satz Reifen, da in Angola die Ersatzteilversorgung wesentlich schlechter ist als in Namibia.

der Kat und der Toyota
der Kat und der Toyota
der erste Übernachtungsplatz am Kunene in Angola
der erste Übernachtungsplatz am Kunene in Angola

Wir haben Glück: am  01.Oktober wird die E- Visapflicht für uns Europäer aufgehoben. So benutzen wir voll gebunkert den kleinen westlichen Grenzübergang an den Ruacana Wasserfällen. Für mindesten 10 Tage müssen Trinkwasser, Bier und die Lebensmittel reichen! Vor allem werden die Dieseltanks bis zum Rand gefüllt, da es hinter der Grenze nur eine kleine Tankstelle gibt, die meistens keinen Diesel hat. Über Tage warten die Einheimischen mit ihren Autos in der Schlange vor der Zapfsäule. 1 Ltr. Diesel kostet umgerechnet 0,17 €, was das Schmuggeln nach Namibia sehr lukrativ macht.

Im „Iona N.P.“

Der Park ist riesig und einer der einsamsten und am schwierigsten befahrbaren Parks im südlichen Afrika. Kaum besiedelt erstreckt er sich entlang des Kunene Flusses und markiert die Grenze zu Namibia. Als Verlängerung der Skeletton Coast endet er in einer Dünenlandschaft an der angolanischen Atlantikküste. Die wilden Tiere sind im Verlauf des Bürgerkrieges (1975 – 2002) der hungrigen Bevölkerung leider zum Opfer gefallen und die Wilderei ist immer noch sehr verbreitet.

Wir begegnen einigen Eingeborenen vom Stamm der Himba, die am Kunene Fluss leben. Einen Tag später sind wir nur noch auf uns gestellt. Über 7 Tage suchen wir unsere Pisten, die zur Küste führen sollen. Einige Male müssen wir umkehren, da es die im Garmin eingezeichneten Wege nicht mehr gibt oder in der Regenzeit weggespült wurden.

Abenteuerliche, anstrengende Pisten

Für den Kat zeigt sich eine weitere Herausforderung:
Jutta muss oft mit der handlichen elektrischen Stihl- Motorsäge aus dem LKW springen und überstehende dicke Äste oder auch mal den einen oder anderen Baum fällen! Sie hätte Försterin werden sollen!

Für 700 km brauchen wir 7 Tage, wobei wir jeden Tag zwischen 5 -7 Stunden fahren!
Unser oberstes Ziel: auf den z.T. sehr scharfkantigen steinigen Pisten wollen wir uns die neuen Reifen nicht aufschlitzen. Für den Kat, der nicht in die Spurbreite passt, eine echte fahrerische Herausforderung. Gut, dass Gerd Trialerfahrung mit dem Teil hat, denn ansonsten wäre bereits einige Male Schluss gewesen. Die Reifen haben zwar viele Profilstollen eingebüsst, aber sie haben durchgehalten!

„Colina Canyon“

Endlich erreichen wir nach einer Woche auf den mittlerweile erholsamen Wüstentracks unser Ziel – den imposanten „Colina Canyon“ mit seinen Fels- bzw. Sandsteinformation! Wir sind begeistert!

Hier übernachten wir umgeben von dieser „Mondlandschaft“.
Der ausgetrocknete „Lake Arko“ mit den bizarren Felsbögen (Arko, Arches) liegt gleich um die Ecke, den wir uns natürlich auch ansehen.

Die wunderbaren einsamen Strände am Atlantik laden zum wilden Campen ein. Wir geniessen das Schwimmen im warmen Meer. Die Menschen, wenn wir welchen begegnen, sind freundlich und hilfsbereit. Wir fühlen uns total sicher.

Anlasser oder Batterie

Leider haben wir Probleme mit unserem Anlasser oder sind es doch die fast neuen Batterien?
So beschliessen wir, auf direktem Weg in die nächst grössere Stadt Lubango zu fahren.
In einer chinesischen Autowerkstatt kommen wir nicht weiter. Es gibt keine passende Starterbatterie. Hans hat eh den Verdacht, dass der Anlasser nach 17 Jahren mal überholt werden sollte. Es glaubt ihm aber keiner!

Der billige Diesel hat zur Folge, dass unser Auto auf einmal zu stottern anfängt und keine Leistung mehr bringt. Beide Filter sind total verdreckt. Die Toyota Werkstatt in Lubango macht uns einen super guten Preis. Wir lassen das Dieselsystem und den verdreckten Dieseltank reinigen. Der Anlasser wird auseinandergenommen und gesäubert, so dass das Auto wieder auf Schlag anspringt. Es waren also doch nicht die Batterien!

Beachlife

Von Lubango geht es über den grandiosen „Serra de Leba“ Pass von 1845 m auf Meereshöhe nach Lobito, einer etwas heruntergekommenen Stadt am Meer. Es gibt keinen Campingplatz, so dass wir vor der Alfa Beachbar stehen können. Der Besitzer ist super nett und hilfsbereit. Wir können alle Faszilitäten benutzen und die Pizza ist hervorragend. Abends treffen sich hier die Beachvolleyballer zum Training – Multikulti, Schwarze – Weisse, Männer und Frauen. Mit einem Drink in der Hand geniessen wir die entspannte Atmosphäre.

Der erste Drink an der Beach
Der erste Drink an der Beach

Sogar zwei Wale schwimmen direkt von uns an der Beach entlang, da es hier sehr schnell sehr tief wird. Beindruckend – wie für uns bestellt.

Kaffeeplantagen

Von Wembele aus fahren wir auf einer in der Karte als malerisch angegebenen Route in die Berge. Dort ist das Klima angenehm kühl, aber auch sehr feucht. Es wachsen Bananen und tropische Früchte, bizarre Blumen, Tabak und Kaffee. So treffen wir auf einer Kaffeefarm Schweizer mit ihrem Landy und ein junges französisches Paar – die ersten ausländischen Reisenden nach zwei Wochen. Angola ist halt noch nicht auf Individualreisende eingestellt, was uns sehr entgegenkommt.

Die Versorgung ist daher auch nicht immer einfach. Hier sind viele Familien sehr arm und daher Selbstversorger – vor allem als Fischer. So steuern wir in den grösseren Orten, von denen es nicht so viele gibt, den jeweiligen Shoprite Supermarkt an. Man darf die Erwartung nicht zu hoch schrauben. Es gibt zwar immer Zwiebeln, Kartoffeln und Huhn, aber selten frisches Obst oder Gemüse. Wir landen dann regelmässig an der heissen Theke, wo selbstgemachte Hausmannskost angeboten wird. Die Eintöpfe, gegrillte Hähnchenteile oder Gemüsepfannen sind meistens super lecker! So bleibt unsere Küche öfter kalt.

In den Bergen beginnt die Regenzeit etwas früher als erwartet, so dass wir nach ein paar Tagen zurück an die Küste fahren.
Wir treffen wieder unsere Schweizer mit dem Landy und Jutta & Gerd. Zusammen verbringen wir wieder ein paar Tage an der „Alfa Beachbar“.

30–Tage Angola Visum läuft aus!

Eigentlich wollen wir alle noch weiter gen Norden. Es stellt sich aber heraus, dass die Info bei der Einreise bezüglich der Verlängerung unseres 30–Tage Visums falsch war. Im Land können wir es nicht verlängern lassen.

krasse Kriegserinnerung
und auch hier immer wieder Kriegsrelikte

Den Beamten bei der Einwanderungsbehörde in Benguela ist es super peinlich und sie entschuldigen sich bei uns, dass ihr umstrukturiertes Programm noch nicht so richtig läuft.

So müssen wir zurück an die Grenze nach Namibia. Schade, da wir gerne länger geblieben wären.
In den nächsten Monaten wird sich bestimmt noch Einiges ändern, da Angola natürlich auch auf Touristen hofft.

Da unser Toyota wieder gut anspringt, fahren wir die einsame Route und Piste, die an den Stränden entlang führt. Mittlerweile ist sie fast ganz geteert.

ein gebrochener Bolzen wird "bandagiert"
ein gebrochener Bolzen wird „bandagiert“

Wir geniessen noch zwei Tage an der „Praia Pipas“, wo wir Alexander, einen munteren Anästhesisten aus Belarus kennenlernen und noch einige Ukrainer, die über das Wochenende von Lubango an die Küste kommen, zum Feiern und Kitesurfen. Zum Abschluss sichten wir am Horizont eine Delfingruppe von mehreren tausend Tieren. Das Meer scheint zu brodeln!

Ausreise aus Angola in „Santa Clara“

Einen Tag vor unserem Visaende erreichen wir den berüchtigten Hauptgrenzübergang „Santa Clara“.
Vor 5 Jahren war es der einzigste Grenzübergang, den Touristen mit einem E-Visum nach Angola nehmen konnten. Es ist auch der grösste und für den kommerziellen Verkehr der wichtigste.

Da wir die chaotischen Verhältnisse kennen, kontaktieren wir einen „Fixer“, der uns durch die verschiedenen Grenzprozedere führen soll. Dozan wartet bereits auf uns und hat alle Mühe, die auf uns einstürmenden und nicht vertrauenserweckenden Gestalten fernzuhalten.

Schnell sind die Ausreisepapiere abgestempelt und es geht weiter zur namibischen Seite. Ozan fährt die 500 mtr. hinten auf unserer Stossstange mit, da es zu regnen anfängt.

Festnahme vom Fixer

Als wir vor dem Immigration Gebäude halten, stürmen zwei sehr unfreundliche Typen in Uniform auf uns zu und nehmen Ozan sorfort und brutal fest. Trotz Beteuerung, dass er zu uns gehört, wird er sofort abgeführt. Wir sind geschockt und versuchen, ihn in den umliegenden Gebäuden ausfindig zu machen. Über Whatsapp ruft er nur um Hilfe – „Help me, help me“ – dann wird ihm das Handy abgenommen.

Wir sind ratlos und einer der unfreundlichen Uniformierten fordert uns wenig später auf, die Einreiseformalitäten selbstständig zu erledigen. Gesagt, getan – wir wollen hier so schnell wir möglich weg. Wer weiss, was sich hinter dieser Aktion verbirgt.

Auf der namibischen Seite versuchen wir noch einmal, mit Ozan Kontakt aufzunehmen, aber ohne Erfolg. Mit einer ausführlichen Erklärung auf Englisch schildern wir erneut die Situation – vielleicht hilft es ihm ja.

Er wird etwas später freigelassen – angeblich waren die Uniformierten betrunken. Wir sind jedenfalls erleichtert.

Korrupte Grenzer

Wenige Wochen später haben wir die Erklärung. In einer namibischen Zeitung wird dieser Grenzübergang als „extrem korrupt“ beschrieben. Der Artikel wurde als Petition von den Bürgern des Grenzortes an die namibische Regierung gerichtet. Die Erklärung: Die Grenzbeamten nehmen seit Jahren wahllos einheimische Grenzgänger fest, um ihnen Schmuggel, Schwarzarbeit etc. zu unterstellen. Damit kassieren sie „Lösegeld“ – wohl ein sehr lohnendes Geschäft.

Wir sind wohl mitten in so eine Situation geraten. Jedenfalls beschäftigt uns dieses Erlebte noch lange, so dass wir auch andere Reisende davor warnen.

Hans bekommt Malaria

Im Etosha N.P. mit vielen Tiersichtungen und am grossen Pool in Tsumeb ist dann doch alles schnell vergessen!

Leider währt die Entspannung nicht lange.
Wir haben uns beide eine Erkältung eingefangen. Bei Hans ist der Corona Schnelltest positiv.
Naja, Medikamente und Ruhe in der Hängematte sind wohl das Beste.

In der Nacht verschlimmert sich Hans Zustand dramatisch. 40° Fieber und Halluzination machen mir Angst. Ich packe morgens um 4 Uhr sofort unser Sonnensegel zusammen und bringe ihn in die nahegelegene Privatklinik. Diagnose: Malaria Tropica oder Falciparum, die schlimmste und oft tödlichste Variante! Vielleicht war auch noch Corona mit im Spiel, was uns daher vorher nicht stutzig gemacht hat.

Hans lacht schon wieder!
Hans lacht schon wieder!

Zum Glück wird er drei Tage intensivst behandelt – Routine in der Klinik. Im Norden von Namibia sind vor allem vermehrt Fälle aus Angola aufgetaucht, obwohl die Regensaison noch nicht begonnen hat. Daher haben wir auch die Prophylaxe nicht für nötig gehalten. Man lebt und lernt! Auch die Schweizer mit dem Landy hat‘s erwischt.

Eine Woche mieten wir uns in einer netten Pension ein, wo Hans schnell wieder auf die Beine kommt. Halt ein Stehauf­männchen!
Vom Apotheker, der uns bereits kennt, bekommen wir Malaria Schnelltests (wussten wir gar nicht, dass es die gibt) und die Notfalltabletten für die ersten 48 Stunden. In dieser Zeit muss man eine Klinik erreichen, um Spätfolgen zu vermeiden.
Damit können wir leben. Wir sind um eine Erfahrung reicher und können so doch einigen Reisenden wertvolle Tipps geben.

Unsere weitere Reiseplanung werfen wir nun um. Auf keinen Fall wollen wir weiter in den Norden Namibias, da dort auch Malariagefahr besteht.
Also geht‘s über einen kleinen Grenzübergang nach Botswana.

Hans ist wieder gesund!
Hans ist wieder gesund!
Malaria Nachbehandlung in Maun

In Maun besuchen wir die Schweizer Flugrettung, die wir aus früheren Jahren kennen. Von Mischa, der engagierten Notfallärztin und ihrem Mann Christian wollen wir uns Tipps für eine Malaria Nachbehandlung holen, da beide schon lange hier leben und daher viel Erfahrung mit Malaria haben.

Nach unserer Schilderung fällt Mischa aus allen Wolken und schickt Hans sofort ins Labor.
Wir sich herausstellt, sind die roten Blutkörperchen noch immer stark angegriffen (Anämie). Es befinden sich weiterhin Parasiten im Blut. Wir bekommen alle einen riesigen Schreck!

Hans, das Phänomen

Nach zwei Behandlungszyklen mit verschiedenen Medikamenten und einigen Blutuntersuchungen gibt Mischa grünes Licht.
Sie kann es bis zum Schluss nicht fassen, dass Hans keine weiteren Schäden (z.B. Nierenversagen…) davongetragen hat. Alle Werte sind top!
Ihr Spruch bei jedem Besuch: „Hans, du bist ein Phänomen für mich!“
Wir freunden uns an und sind begeistert, wie gut und intensiv Mischa sich um Hans kümmert! Was haben wir für ein Glück!

Südafrikanische Atlantikküste

Jetzt wollen wir dieses nicht weiter strapazieren und begeben uns auf moderaten Wegen an die südafrikanische Atlantikküste.

am Oranje River durch die Vineyards
am Oranje River durch die Vineyards

 

Uns lechzt nach kühler Seeluft, Langusten und Entspannung.

Wir teffen uns mit Barbara und Paul, mit denen wir zusammen einige schöne Tage verbringen. Ein bisschen Abenteuer brauchen wir alle vier mal wieder. So nehmen wir uns den „Holgat Rivertrail“ vor!

Im Tiefsand mit wenig Reifendruck wühlen sich die Fahrzeuge durch den trockenen Flusssand. Nach anderthalb Tagen gelangen wir zu der „Bakkrans Höhle“, wo wir einen Ruhetag einlegen. Am Oranje River durch Weinanbaugebiete reisen wir langsam nach Namibia. In Lüderitz gibt es Langusten satt! Am Wasserloch begegnen wir Herden von Oryxen und den einzigartigen Wüstenpferden und ein mörderisches Unwetter auf der „Kronenhof Lodge“ begleitet uns auf dem Weg zurück nach Windhoek.

Eindrücke der Botswana (Moremi) – Zambia ( South & North Luangwa) Tour 2022 – 2023: